Digitale Barrierefreiheit

Guide: Barrierefreiheit im E-Mail-Marketing

Einfach, verständlich und praxisnah
Grafische Darstellung der Barrierefreiheit im E-Mail-Marketing

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz tritt am 28.06.2025 in Kraft.

Wir geben Ihnen einen umfangreichen Überblick.
Sie erfahren, wie Sie sich darauf vorbereiten können. In unserem Guide erhalten Sie praxisnahe Tipps. Aufgeteilt auf die einzelnen Teilbereiche, sind die Tipps leicht umsetzbar.

Im Anschluss betrachten wir die Bedeutung der Barrierefreiheit von digitalen Produkten. Dies geschieht im Hinblick auf rechtliche Bedingungen, Unternehmensinteressen und gesellschaftlichen Stellenwert.
Inhalt dieses Blog-Beitrags

  • Rätsel zum Aufwärmen
  • Bereiche der digitalen Barrierefreiheit
  • Barrierefreiheit in der Gestaltung
  • Barrierefreiheit im Content
  • Barrierefreiheit im Code
  • Warum Barrierefreiheit so wichtig ist
  • Gesellschaftlicher Stellenwert
  • Unternehmensinteressen
  • Richtlinien und Gesetze
  • Auflösung des Rätsels
  • Weiterführende Links: Tools, Ressourcen und Quellen

Rätsel zum Aufwärmen

Drei Buttons in unterschiedlichen Blau-Tönen
Welcher Button entspricht der Konformitätsstufe AA (WCAG)?

A: Button A
B: Button B
C: Button C

Wie viel Prozent der aktuellen E-Mail-Newsletter sind vollkommen barrierefrei?

A: 0,01%
B: 10%
C: 35%

Wie viele Personen in Deutschland sind sehbehindert?

A: 558.725 Menschen
B: 1.149.932 Menschen
C: 86.093 Menschen
Die Auflösung gibt es am Ende unseres Beitrags.

Bereiche der digitalen Barrierefreiheit im E-Mail-Marketing

Die digitale Barrierefreiheit lässt sich in drei Teilbereichen umsetzen:
Ihr-Design.svg

Gestaltung

Content-fokussiert.svg

Inhalt

Link.svg

Code

Barrierefreiheit in der Gestaltung

Das Design umfasst die gestalterischen Elemente von Newslettern. Dazu gehören Schriften, Farben und Proportionen.
Vergleich: Ein Button mit geringem Kontrast neben einem Button mit hohem Kontrast

Farbkontraste


Je höher die Kontraste zueinander ausfallen, desto einfacher sind Buttons und Texte zu lesen. Online-Werkzeuge wie der Contrast Checker von Webaim helfen Ihnen bei der Überprüfung der richtigen Kontrastverhältnisse.
Vergleich: Zwei Buttons in Rot und Grün im Vergleich zu zwei Buttons in Rot und Blau

Farbwahl


Auch eine bestimmte Farbwahl können für eine bessere Erkennbarkeit sorgen. Für Menschen mit unterschiedlichen Farbschwächen kann es schwer sein, bestimmte Farben zu unterscheiden. Mit Online-Werkzeugen wie dem Color Blindness Simulator können Sie die Farben Ihrer Gestaltung auf unterschiedliche Farbschwächen überprüfen.

Das Beispiel zeigt, wie Menschen mit Rot-Grün-Blindheit (Protanopie) die Buttons wahrnehmen.
Vergleich: Links schlecht lesbarer Text, rechts gut lesbarer Text

Schriftgröße und Schriftart


Verspielte oder extravagante Schriftarten können schwer zu lesen sein. Auch die Schriftgröße und der Zeilenabstand beeinflussen die Lesbarkeit von Texten.

Im gezeigten Beispiel haben die Überschriften übrigens die gleiche Schriftgröße.
Vergleich: Links kleiner Button, rechts Button groß genug

Größe der klickbaren Elemente


Je größer interaktive Elemente wie Buttons dargestellt werden, desto leichter sind diese mit dem Mauszeiger oder mit dem Finger anzupeilen.
Vergleich: Links Text zentriert und in Großbuchstaben, rechts linksbündig und Groß- und Kleinschreibung

Textformatierung


Auch die Textformatierung hat einen erheblichen Einfluss auf die Lesbarkeit:

Linksbündiger Text ist am besten zu lesen, da hier das Auge am besten von einer Zeile zur anderen “springen” kann, ohne den Anfang der Zeile jedes Mal neu zu suchen.

Auch die Länge der Zeile und die Unterteilung in Abschnitte macht das Lesen leichter.

Außerdem wird davon abgeraten, im Fließtext ausschließlich mit Großbuchstaben zu schreiben.
Vergleich: Links sieht der Link auf wie der restliche Text, rechts ist er unterstrichen und farblich markiert

Darstellung von Links


Hyperlinks werden seit den frühesten Tagen des Internets unterstrichen dargestellt. Dieser Standard sorgt immer noch dafür, Verlinkungen schnell als solche zu erkennen.

Zusätzlich kann es helfen, der Verlinkung eine andere Farbe als dem Fließtext zu verleihen.
Vergleich: Links kaum Weißraum, rechts genügend Weißraum

Weißraum


Sinnvoll gesetzte Abstände unterstützen die Betrachter dabei, den Inhalt besser zu erfassen. Dadurch wirkt die Anordnung nicht überfordernd und lässt sich leichter lesen.

Barrierefreiheit im Inhalt

Mit dem konkreten Inhalt Ihres Newsletters können Sie am einfachsten und schnellsten die Barrierefreiheit verbessern.
Vergleich: Links gehobene Sprache, rechts einfache Sprache

Einfache Sprache


Je kürzer und klarer Sie Ihre Sätze schreiben, desto einfacher sind sie zu verstehen. Umschreiben Sie Fachbegriffe, um Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten beim Lesen zu unterstützen. Tools wie WORTLIGA helfen Ihnen dabei.
Vergleich: Links wenig aussagekräftiger Alt-Text, rechts aussagekräftiger Alt-Text

Beschreibender Alt-Text


Alt-Texte bieten die Möglichkeit, die Bildinhalte Ihres Newsletters mit Worten zu beschreiben. Damit können sogenannte Screenreader (Software zum Vorlesen digitaler Produkte) auch den Inhalt Ihrer Bilder wiedergeben.

Außerdem ist bei vielen E-Mail Empfängern das Laden von Bildern standardmäßig deaktiviert. Auch sie können mit den beschreibenden Alt-Texten Ihren Newsletter besser verstehen.

Umschreiben Sie einfach mit einem kurzen und knappen Text, was auf dem Bild zu sehen ist.
Vergleich: Links generischer Text im Button, rechts aussagekräftiger Text im Button

Aussagekräftiger Text im Button


Allgemeine Texte wie “Jetzt kaufen” oder “Mehr erfahren” geben in der Regel wenig Aufschluss darüber, wohin ein Button führt.

Wenn Sie Ihre Buttons aussagekräftig beschriften, werden sie verständlicher und auch ansprechender.
Vergleich: Links Text in der Grafik, rechts Text als eigenständiger Textabschnitt

Text nicht als Bilddatei einfügen


Es ist eine weitverbreitete Methode, Texte und Buttons in den Bilddateien einzufügen. Das ist der Versuch, die begrenzten Möglichkeiten im Newsletter-Design zu umgehen. Dennoch ist diese Vorgehensweise nicht empfehlenswert - vor allem, wenn es sich um inhaltlich relevante Informationen handelt.

Denn wenn ein Text ein grafischer Bestandteil einer Bilddatei ist, kann er von Screenreadern nicht gelesen werden.

Auch für die vielen Empfänger, in deren Postfächern die Bilder automatisch ausgeblendet werden, geht damit der wertvolle Inhalt des Newsletters verloren.

Das selbe gilt für Buttons: Auch sie sollten aus diesen Gründen nicht mit Bilddateien ersetzt werden - auch wenn der Gedanke noch so verführerisch sein mag.

Barrierefreiheit im Code

Mit der technischen Umsetzung der Templates müssen Sie sich in der Regel nicht auseinandersetzen.
Das übernehmen wir für Sie.
Falls Sie sich dennoch dafür interessieren, erläutern wir gerne ein paar der wichtigsten Punkte:
Grafik mit angedeuteten HTML-Tags und Aria-Labeln
Korrekte HTML-Semantik

HTML ist die Auszeichnungssprache, die den strukturellen Aufbau Ihres Newsletters bestimmt. Dabei gibt es Elemente, die im Code bereits auf die Bedeutung des Inhalts hinweisen. Tags und Attribute sollten ihrer Bedeutung entsprechend eingesetzt werden, damit z.B. Screenreader sie verstehen.

Ein paar Beispiele:

  • Die Tags <h1>, <h2>, <h3> geben an, dass es sich um eine Headline handelt. Die Zahl definiert die Hierarchie, also welche Headline (z.B. <h1>) über einer anderen Headline (z.B. <h2>) steht.
  • Der <p> Tag gibt an, dass es sich um einen einfachen Text handelt.
  • Das Attribut lang=”…” gibt die Sprache des Inhalts an. So weiß ein Screenreader zum Beispiel bei lang=”en”, dass der Inhalt mit englischer Aussprache vorzulesen ist.
  • Das Attribut dir=”…“ gibt die Leserichtung an. Mit dir=”ltr” wird die Leserichtung “left to right” angegeben, das heißt, der Text wird von links nach rechts gelesen.
Zusätzliche ARIA Attribute:

Mit ARIA können Rollen und Attribute definiert werden, die die Barrierefreiheit des Codes noch weiter stärken.

Ein paar Beispiele:

  • role=”presentation” gibt einem Screenreader zu verstehen, dass die Tabellenstruktur des Newsletters für das Layout verwendet wird, nicht für Datentabellen.
  • aria-hidden=”true” kann verwendet werden, um gestalterische, inhaltlich unwichtige Elemente auszublenden

Warum Barrierefreiheit so wichtig ist

Grossunternehmen.svg

Unternehmensinteressen

Verband.svg

Gesellschaftlicher Stellenwert

DSGVO.svg

Gesetzliche Regelungen

Gesellschaftlicher Stellenwert

Um die Auswirkung der Barrierefreiheit für die gesamte Gesellschaft zu verstehen, ist es hilfreich, ein paar der häufigsten Barrieren zu betrachten.

Schwierigkeiten bei der Benutzung digitaler Produkte werden sowohl in bestimmten Situationen oder auch zeitweise erlebt. Es gibt aber auch Barrieren, die dauerhaft bestehen.
Benutzer können in visueller, akustischer, haptischer, physischer oder mentaler Dimension betroffen sein.
Grafische Darstellung der häufigsten Barrieren bei der Benutzung digitaler Produkte
Ein paar Beispiele:

  • Eine Person kann bei Sonnenschein kaum erkennen, was im Handy-Bildschrim zu sehen sein soll.
  • Eine Person hat einen gebrochenen Arm und kann deswegen den Mauszeiger nicht mit der gewohnten Hand benutzen.
  • Eine Person erkennt aufgrund fortgeschrittenen Alters zu kleine Elemente oder Elemente mit zu geringem Kontrast nicht mehr.
  • Eine Person hat Konzentrationsschwierigkeiten und kann deshalb unstrukturierte oder optisch überladene Inhalte nur schwer erfassen.

Betroffene Personen sind also keine Seltenheit. Barrierefreiheit kann (und wird im Alter gewiss) jeden von uns betreffen.
Indem wir uns also um die bestmögliche Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen bemühen, leisten wir einen wertvollen Beitrag dazu, allen Mitgliedern unserer Gesellschaft die Teilnahme zu ermöglichen.

Unternehmensinteressen

Neben den ethischen Gründen werden mit verbesserter Barrierefreiheit ganz nebenbei auch Unternehmensinteressen gestärkt:

  • Ihre Kundengruppe wird erheblich vergrößert, da deutlich mehr Menschen den Zugang zu Ihren Produkten erhalten.
  • Die Benutzerfreundlichkeit wird deutlich gesteigert, indem Sie den Fokus auf die Funktionalität Ihrer digitalen Produkte legen.
  • Suchmaschinen und auch die Suchfunktion in E-Mail-Postfächern können mit Alt-Texten, sinnvollen Texten und korrektem Code Ihre Inhalte deutlich besser indexieren (SEO).
  • Ihr Unternehmen erspart sich die zu erwartenden Geldstrafen, sollten die gesetzlichen Anforderungen nicht einhalten werden.
  • Da immer mehr Menschen Wert auf Barrierefreiheit legen, stärkt die Umsetzung der Richtlinien den Ruf Ihres Unternehmens.

Richtlinien und Gesetze

Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des World Wide Web Consortiums (W3C)

Das World Wide Web Consortium hat mit den Web Content Accessibility Guidelines drei Konformitätsstufen der digitalen Barrierefreiheit definiert: Diese sind A, AA, AAA.
Diese Richtlinien bilden den Ausgangspunkt für die EU-Norm EN 301 549. Dabei sind die Stufen A und AA verbindlich, die Stufe AAA stellt die optimale Erweiterung dar.
Diese Richtlinien werden seit 1999 laufend weiterentwickelt.


Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK)

Am 13. Dezember 2006 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention sowie das dazugehörige Zusatzprotokoll angenommen. In Deutschland ist die UN-BRK seit 2009 in Kraft.
Es dient der Förderung und dem Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen Bereichen des Lebens wurde als ein Menschenrecht anerkannt.


European Accessibility Act (EAA)

Der European Accessibility Act ist eine Richtlinie über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen. Diese Richtlinie ist auch als Richtlinie (EU) 2019/882 bekannt.
Ziel der Richtlinie ist es, Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Unternehmen innerhalb der EU profitieren zusätzlich vom einfacheren Handel, da die Richtlinie als gemeinsames Regelwerk die zuvor voneinander abweichenden Regelwerke der Mitgliedsstaaten ersetzt.


Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz wurde am 15.06.2022 verabschiedet und tritt am 28.06.2025 in Kraft. Dieses Gesetz dient der Umsetzung des European Accessibility Acts in Deutschland.
Timeline der Regelungen und Gesetze

Auflösung des Rätsels

Welcher der folgenden Buttons entsprechen der Konformitätsstufe AA (WCAG)?

Button A: Hier liegt das Kontrastverhältnis sowohl vom Hintergrund zum Button als auch vom Button zum Text bei 11.63:1. Der Kontrast ist hoch genug.
Button B: Hier liegt das Kontrastverhältnis vom Hintergrund zum Button bei 2.79:1. Der Kontrast ist nicht hoch genug.
Button C: Hier liegt das Kontrastverhältnis vom Button zum Text bei 1.8:1. Der Kontrast ist nicht hoch genug.

Die richtige Antwort ist also Button A.

Wie viel Prozent der aktuellen Newsletter sind vollkommen barrierefrei?

Laut dem Accessibility Report des Email Markup Consortium sind nur 0,01% E-Mail-Newsletter barrierefrei. Konkret sind das 28 von 409,663 analysierten E-Mails. Diese 28 Sender stammen von nur zwei Sendern.
(Stand: 2024)


Wie viele Personen in Deutschland sind sehbehindert?

Laut dem Statistischen Bundesamt leben in Deutschland 71.260 blinde Menschen, 46.820 hochgradig sehbehinderte Menschen und 440.645 sehbehinderte Menschen. In der Gesamtzahl sind das 558.725 Menschen mit Sehbehinderung.
(Stand: 2021)